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Experimente

Bevor ich zu den titelgebenden Experimenten und der ausführlichen Beschreibung derselben komme, möchte ich euch erst noch zeigen, was ich zur Zeit auf den Nadeln habe. Denn auch wenn die Farbgebung eher winterlich ist, so schreit dieses filigrane Lace-Tuch dennoch „Frühling“!

Ich habe endlich die wunderschöne Merino-Seide-Wolle von Zauberwiese, die ich schon bestimmt über ein Jahr lang in meinem Stash horte, herausgeholt. Die ganze Zeit über war ich mir nicht sicher, welche Anleitung ich damit stricken sollte. Doch schließlich hat es mir das Lace-Tuch „Palau“ so angetan, dass ich es endlich angeschlagen habe:

Ich bin laut Anleitung in etwa zu einem Siebtel fertig und wie immer bei Lace sieht das Tuch sehr unförmig aus, solange es noch nicht gespannt ist. Aber ich freue mich schon, es nach dem Spannen zu tragen. Es wird sicherlich federleicht und luftig sein, genauso, wie ich es mir wünsche. Denn es soll mir vor allem auch im Sommer als Stola über Kleidern gute Dienste leisten.

Mal sehen, ob es mir dann auch breit genug ist, das ist momentan meine einzige Sorge… Eventuell werde ich es auch länger stricken, als vorgesehen, das werde ich aber entscheiden, wenn ich soweit bin. Mehr Worte verliere ich nun aber nicht, denn über die Details kann ich dann berichten, wenn das Tuch fertig ist. Und schwafeln werde ich heute noch zur Genüge, denn jetzt kommt der Bericht über meine Experimente! :-)

Eine Warnung noch vorab: es kommt jetzt gaaaaanz viiiiiiel Text und eher wenige Bilder. Wer sich nur für das interessiert, was ich zurzeit auf den Nadeln habe, kann jetzt schon wieder aufhören, zu lesen. :-D Aber es lohnt sich auch, zumindest noch bis ganz unten zu scrollen, da zeige ich nämlich noch den Weg zu diversen tollen Linkparties. Aber genug der Vorrede, jetzt geht es los.

Kurz nach meinem letzten Blogpost habe ich nämlich einen interessanten Artikel bei Janine gelesen, der meine Neugier entfacht und mich zum Experimentieren gebracht hat. Und das möchte ich hier festhalten.

Janine schrieb hier darüber, dass sie herausgefunden hat, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten gibt, eine Masche zu stricken. Und damit sind nicht rechte und linke und zusammen gestrickte Maschen etc. gemeint, sondern solche Begriffe wie „western“, „eastern“, „combined“ und so weiter.

Was das alles bedeutet, hat Janine schon so toll zusammen getragen, das will ich gar nicht alles noch einmal wiederholen. Wer sich dafür interessiert und noch nichts damit anfangen kann, dem sei Janines Artikel empfohlen. Sie weist dort auch auf weitere Seiten hin, auf denen so einiges dazu erklärt wird.

Jedenfalls wollte ich dann zum einen feststellen, wie ich selbst denn so stricke, zum anderen aber eben auch einmal die anderen Strickarten ausprobieren. Denn ich erweitere gern meinen Horizont, und wer weiß? Wenn man es nicht probiert, weiß man ja auch gar nicht, ob einem eine andere Art vielleicht eher liegt.

Bevor ich jetzt aber zu meinem Muster-Probestück und diversen Ausführungen komme, stelle ich hier erst einmal fest: Ich bin eine „stinknormale“ (meint: hierzulande sehr übliche) rechtshändig western continental Strickende.

Das Praktische: damit muss ich keinerlei Anleitungen „umdenken“. Und ich habe auch nicht, wie wohl viele andere, die so stricken wie ich, Probleme mit dem Linksstricken, denn mein Maschenbild ist recht gleichmäßig. Aber da ich ja – wie diejenigen, die hier schon länger lesen, wissen – zur Sehnenscheidenentzündung neige, war ich neugierig, ob eine andere Strickweise mir vielleicht eher oder zumindest auch liegt und dazu noch handgelenksschonender ist.

Also packte ich den Rest der Wolle, die noch vom Babymützchen hier lag, und fing an, ein Musterläppchen zu stricken. Um die Sektionen voneinander abzugrenzen, habe ich immer „kraus rechts“ gestrickt, und so ist diese Probe entstanden:

Im Folgenden werde ich auf die einzelnen Sektionen genauer eingehen, doch hier noch ein Bild, das erklärt, in welcher Weise ich das jeweilige Kästchen gestrickt habe:

Kommen wir also zur ersten gestrickten Sektion. Die erste unten rechts habe ich für mich „klassisch“, also „western“ gestrickt, um gleich einen Vergleich zu meiner üblichen Strickweise zu haben. Direkt links daneben habe ich dann „combined“ gestrickt.

Wie man ganz gut erkennen kann, ist das western gestrickte Stück deutlich gleichmäßiger. Trotzdem muss ich sagen, dass das combined Stricken recht angenehm war und mir nicht schwer fiel. Eventuell könnte ich diese Methode also für mich adaptieren und mit etwas Übung würde es bestimmt genauso gleichmäßig werden, wie mit meiner bisherigen Methode.

In der zweiten Reihe habe ich dann „eastern“ gestrickt, um diese Methode ebenfalls zu probieren, links daneben wieder „western“, aber diesmal mit dem sogenannten „Norwegian Purl“, bei dem man den Faden zum Linksstricken nicht mehr vor die Arbeit legen muss, sondern ihn hinten lässt und durch die Abstrickmethode trotzdem eine linke Masche erzeugt.

Diese beiden Methoden haben auch ganz gut funktioniert, wobei aber besonders die „eastern“ Variante sehr gewöhnungsbedürftig war, da dort die linke Masche ja verschränkt gestrickt wird. Und auch der „Norwegian Purl“ ist in meinen Augen sehr umständlich zu stricken und wiegt den Vorteil, den Faden nicht nach vorn nehmen zu müssen, nicht auf. Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass es beim Perlmuster oder 1-1-Bündchen hilft, wenn man ansonsten ständig hin- und herwechseln muss. Aber bei glatt rechts ist es meiner Meinung nach zu umständlich.

Nachdem ich nun diese wichtigsten Varianten verglichen hatte, packte mich der Übermut und ich wollte noch alle möglichen anderen Kombinationen ausprobieren. Als erstes wählte ich die Variante, sowohl in der Hin- als auch in der Rückreihe verschränkt zu stricken und dabei auch noch „falsch“, also anders als sonst, den Faden um die Arbeitsnadel zu wickeln. Links daneben probierte ich aus, wie sich „kraus rechts“ als verschränkte Variante stricken lässt.

Das ging einigermaßen, was das Stricken betrifft, das Gestrickte wurde dabei recht engmaschig. Aber es ist mehr eine Spielerei gewesen, als dass es sich lohnt, es länger zu betrachten.

Gehen wir also gleich weiter, denn auch die nächste Reihe brauchen wir nicht groß besprechen: rechts sehen wir „kraus rechts“ ganz normal gestrickt, links daneben dann „kraus links“ ganz normal gestrickt.

Der einzige Unterschied zwischen kraus rechts und kraus rechts verschränkt ist, dass das verschränkt gestrickte Stück engmaschiger ist. Und auch kraus links sieht nicht wirklich anders aus, also machen wir weiter.

Jetzt kommt nämlich eine interessante Reihe, ab sofort wieder alles in glatt rechts. Auf der rechten Seite ist die Hinreihe rechts normal gestrickt, die Rückreihe links mit „falsch“ wickeln, auf der linken Seite die Hinreihe rechts verschränkt, die Rückreihe links normal.

Zunächst einmal: Das war nicht sehr angenehm zu stricken. Denn durch das anders Wickeln wird genauso wie durch das verschränkt Stricken die Masche verdreht. Wenn man dann das Ganze in der Rückreihe nicht durch das passende Äquivalent sozusagen wieder rückgängig macht, erhält man das, was man hier sieht: ein Zickzackmuster. Als Zierelement kann ich mir das sicherlich hier und da vorstellen, aber ansonsten ist es nicht wirklich zu gebrauchen.

Als nächstes strickte ich dann Hin- und Rückreihe mit „falsch“ wickeln, links daneben versehentlich noch einmal dasselbe wie in der dritten Reihe rechts (verschränkt mit falsch wickeln). Darauf gehe ich also nicht noch einmal ein.

Die Variante mit dem anders wickeln ist auch interessant, denn sie ergibt ein leichtes Rippenmuster. Erinnert mich ein bisschen daran, wie es aussieht, wenn man beim Häkeln nur das hintere Bein abhäkelt (Stichwort „Relief“). Zu stricken war es allerdings ebenfalls nicht sehr angenehm.

Kommen wir also zur letzten Reihe: Beide Sektionen sind sowohl in der Hin- als auch in der Rückreihe verschränkt gestrickt. Rechter Hand in beiden Reihen mit „normal“ wickeln, linker Hand bei der Rückreihe „falsch“ gewickelt.

Auf der rechten Seite sehen die Maschen sehr plastisch aus, links ist wieder ein leichtes Zickzackmuster zu erkennen, jedoch nicht so deutlich wie in Reihe fünf. Die plastische Variante könnte je nach Einsatz und vor allem auch Wolle ziemlich gut als Zierelement zum Einsatz kommen, die linke Variante ist mir aber zu unregelmäßig und unruhig. Da ist das Zickzackmuster aus Reihe fünf viel schöner und gleichmäßiger.

FAZIT: Ich bleibe wohl bei meiner bisherigen Art, zu stricken. Eventuell versuche ich mich bei in Reihen gestrickten, glatt rechten Stücken mal an der „combined“ Methode und bei Perlmuster bzw. 1-1-Bündchen am „Norwegian Purl“. Aber es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, mal alles auszuprobieren und dabei zu beobachten, wie die Maschen sich je nach Strickmethode verhalten. Vielleicht kommt mir dieses Wissen ja noch einmal zu Gute!

Soooooooooooo. Wer es bis hierher geschafft hat: vielen Dank für’s Durchhalten! :-D
Jetzt verlinke ich mich noch flugs bei Marisa, Ina, Fanny und Steffi in ihren herrlichen Linksammlungen (siehe unten) und wünsche euch noch einen schönen Frühling (wenn er denn dann endlich mal kommt und bleibt…)!

Liebe Grüße,
Eure „Ma“

Zusammenfassung:
Anleitungen: „Palau“ von Monika Eckert
Größe: Einheitsgröße
Anpassungen: keine
Wolle: „Merino Silk Lace 55/45“ von Zauberwiese
Verlinkt: „Auf den Nadeln“, „Stricklust“, „Liebste Maschen“, „Lieblingstücke“

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2 Kommentare zu „Experimente

  1. Wow. Was für spannende Experimente! Ich hatte gar nicht auf dem Schirm, dass man da so viel variieren kann! Wirklich erstaunlich und spannend zu lesen. Und dein Lacetuch gefällt mir auch sehr sehr gut! Danke fürs Verlinken bei meiner Linkparty! ;-)

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